Kein Praxislabor mehr in der Zukunft?
Auf Verordnungsweg will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) unter Bundesrat Couchepin die Preise für Laboruntersuchungen generell senken. Diese Senkungen sollen quer durch alle Laborleistungen gehen und orientieren sich hauptsächlich an ausländischen (deutschen) Modellen; einem Land also, wo das Gesundheitswesen nur schwer überschaubar ist und als teuer gilt. Die Hausarztmedizin in Deutschland ist nicht mehr existenzfähig, was auch zur Verteuerung der Medizin in Deutschland beiträgt. An diesem (gescheiterten) Modell soll sich nun die Medizin in der Schweiz orientieren - gemäss BAG.
Hier ein Auszug aus den News der "Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin" 3/2008 (www.sgam.ch):
"Trotz wiederholter Unterstützungsbekundungen
seitens des BAG und seines
Chefs, Professor Thomas Zeltner, müssen
wir einmal mehr feststellen, dass das Departement Couchepin nicht
wirklich an der Unterstützung und Stärkung
der Hausarztmedizin interessiert
ist. Neuester Beweis: die vom BAG vorgeschlagene
Revision der Analysenliste.
Die Revision der 14 Jahre alten Liste
wird von uns Hausärztinnen und Hausärzten
nicht grundsätzlich in Frage
gestellt, sehr wohl aber die Art und
Weise des Vorgehens. Das BAG hat
ohne Einbezug der direkt betroffenen
Kreise einen Vorschlag ausgearbeitet,
der sich auf ein normatives Rechnungsmodell
auf der Basis eines mittelgrossen
Referenz-Auftragslabors stützt und deshalb
der Struktur und Aufgabe unserer
Praxislabors in keiner Weise gerecht
wird.
Wenn nun dieser Vorschlag
in Kraft gesetzt wird, bedeutet das konkret
das Ende der Präsenzdiagnostik
in den Hausarztpraxen, welche eine
qualitativ hochstehende, unmittelbare
Behandlung unserer Patienten erst
ermöglicht. Schon heute arbeitet lediglich
ein Drittel der Praxislabors kostendeckend.
Eine erneute Ertragseinbusse
von über 30% würde das definitive
Aus – und damit eine Qualitätseinbusse der Hausarztmedizin zur Folge haben."
Hier ein Musterbrief an Bundesrat Couchepin. Bitte senden Sie einen Brief mit diesem oder ähnlichen Inhalt an den Vorsteher des EDI (hier kann ein Beispielbrief heruntergeladen werden)
Herrn
Bundespräsident Pascal Couchepin
Vorsteher EDI
Inselgasse 1
3003 Bern
Für den Erhalt des Praxislabors
Sehr geehrter Herr Bundespräsident
Soeben bin ich im Labor meines Arztes zuverlässig, kompetent und prompt
behandelt worden. Die rasche Verfügbarkeit der Resultate gibt mir Sicherheit
und verhindert unnötige Zweitkontrollen.
Durch die unkomplizierte und unmittelbare Art der Laboruntersuchungen
entstehen für mich kein zusätzlicher Zeitaufwand und keine
unnötige Verzögerung der Behandlung. Ich schätze diese Leistung nicht nur sehr, ich bin darauf angewiesen. Ich fordere
Sie deshalb auf, dafür zu sorgen, dass dies auch in Zukunft noch möglich
sein wird.
Die von Ihnen geplante Revision der Analysenliste bedroht das Praxislabor
meines Arztes ganz existenziell. Es ist für eine ärztliche Tätigkeit, die unseren Qualitäts- und Sicherheitsansprüchen gerecht wird, unverzichtbar.
Kurz: Ich bin nicht gewillt, auf die hohe medizinische Qualität der praktizierenden
Ärzte zu verzichten, und wehre mich gegen jede Form des Abbaus – insbesondere
gegen den Verzicht auf das Praxislabor.
Deshalb bitte ich Sie, die Revision der Analysenliste in der heute vorgesehenen
Form zu stoppen.
Mit freundlichen Grüssen |